Running Hybrids

RunningHybridsRunning Hybrids - Wiener Jazz mit mächtig Funk und noch mehr Soul

 

Musik ist dann authentisch, wenn sie in der Vorstellungskraft Bilder hervorruft – so wie der Jazz der "running hybrids". Es dauert nur wenige Takte, bis das Kopfkino läuft. Ein verrauchter Jazzkeller mitten in Harlem. Abgewetzte Plüschsessel, verschrammte Holztische. In der Mitte erhebt sich eine kleine Bühne. Darauf ist im roten Licht nur schemenhaft eine Combo zu erkennen – es könnten die "running hybrids" sein, die Band von Georg Henke. Zumindest spielt sie den Jazz so soulig und funkig, wie er damals durch die Rauchschwaden der Siebziger waberte. Ab dem 22. Oktober sind die "running hybrids" erstmals auf CD zu hören und zwar auf dem Album "Compilation".

 

"Ohne Groove spiele ich gar nicht." Bandleader Henke hat sich dieses Bonmot von Joe Zawinul, einem der einflussreichsten europäischen Jazz-Musiker des letzten Jahrhunderts, zu eigen gemacht. Zawinul ist Henkes großes Vorbild und es finden sich einige Parallelen: Beide sind Wiener, beide Bandleader, beide Pianisten. Henke scheint von seinem spiritus rector einiges gelernt zu haben, denn die elf Songs auf "Compilation" grooven mächtig.

Warum eigentlich "Compilation", also Zusammenstellung? Der Bandleader hierzu: "Beim Komponieren fiel uns auf, dass unsere Songs mal soulig, dann funkig, oder auch jazzig klingen. Also versuchten wir, für jedes Stück spannende und aufregende Stimmen zu finden. Am Ende wurde es eine Art Zusammenstellung, also eine compilation", so das Mastermind über die achtjährige Entstehungszeit. Jetzt sind auf den insgesamt elf Tracks mehrere Sängerinnen zu hören, darunter Meena Cryle, Marjorie Etukudo und Stella Jones – die Tochter des Bebop-Trompeters Carmell Jones tritt übrigens auch häufig live mit den "running hybrids" auf. 

Der Name für das Album könnte nicht passender gewählt sein. Es vereint nicht nur verschiedene Musiker, sondern auch Stilrichtungen – groovig, rhythmisch-prägnanter Funk und Soul, den eine ordentliche Brise straighter Pop zu tanzbarem Jazz verschmelzen lässt. Produziert hat das Album übrigens der Österreicher Erwin Bader, ein Nachbar Henkes. Das Debüt erscheint am  22. Oktober beim Winnender Label 7jazz.

Dass "Compilation" trotz des alpenländischen Umfelds dennoch eine amerikanische Note versprüht, liegt an der Sozialisierung von Georg Henke. Einige Jahre seiner Kindheit verbrachte er in Staten Island, New York. Eine Zeit, die prägende Spuren hinterlassen hat. Denn hier saugte Henke den Blues, den Soul, überhaupt jegliche Art von schwarzer Musik in sich auf und entdeckte seine Liebe zu Tasteninstrumenten.

Dieser Leidenschaft blieb Henke treu, nachdem er wieder in Österreich war, absolvierte zunächst eine klassische Klavierausbildung, lernte schließlich Jazz-Piano bei Philippine Duchateau und spielte unter anderem in Formationen wie Drugstore und dem Herbie Smith Department. Außerdem arbeitete er in den 90ern mit dem US-amerikanischen Sänger Jul Lekey an einem Soul-Projekt und trat 2010 in Niddl & the NoNo Band mit der österreichischen Sängerin Anita Ritzl auf.

Der Ursprung der "running hybrids" reicht bis 2005 zurück. Damals scharte Georg Henke bereits einen Bassisten und einen Drummer um sich; das Trio hieß "wilful" und erreichte bei einem österreichischen Bandwettbewerb den dritten Platz. Aus "wilful" formten sich die "running hybrids", nun bestehend aus Kontrabass, Schlagzeug, Saxophon und Henkes Keyboard sowie der Sängerin Mary Broadcast, die einige Jahre später wieder aus der Band ausschied.

Wie es sich für eine echte Jazzband gehört, ist die Formation regelmäßig live zu sehen – natürlich  nicht nur in verrauchten Kellern. Die "running hybrids" spielten unter anderem schon beim Jazzfestival Frankfurt, dem bayrischen Jazzweekend und den Jazztagen Baden in Österreich. Dabei besteht die Combo nur aus zwei festen Mitgliedern, Georg Henke und Bassist Otto Scheidl. Drums, Saxofon und Vocals sind mehrfach besetzt, denn: "Wer gerade in seinem Tourplan Zeit findet, spielt bei uns", erklärt Henke das live-Konzept, "darunter sind auch echte Größen wie Tommy Böröcz, der unter anderem bereits mit Jaco Pastorius und Joe Zawinul gespielt hat, oder David Piribauer, der Drummer von Beyoncé." Auch live sind die "running hybrids" eben eine echte compilation.