Kellerkind

kellerkind2017 webKellerkind - Pussybats-Sänger auf Solopfaden

‘Irgendwann, als es mir richtig scheiße ging, habe ich realisiert, dass ich schon seit über einem Jahr kein Lied mehr geschrieben hatte. Zum ersten Mal seit ich 15 bin.’ So beschreibt der Stuttgarter Sänger und Songwriter Sid, als Frontmann der legendären Pussybats bestens bekannt, den Startschuss zu seinem zweiten Soloalbum als ‘Kellerkind’.  Klassisches Künstler-Klischee – in der persönlichen Krise die eigene Kreativität wiederzuentdecken. Dann wie im Rausch 20 Songs in 2 Wochen zu Papier bringen. Das Ganze dann aufnehmen, ein engagiertes Label von den Socken zu hauen und einen Mega-Erfolg zu landen. Applaus, Konfetti, Happy End? Naja. Noch nicht ganz. ‘Bei diesen Songs ging es mir wirklich erstmal nur ums Schreiben. Es war einiges in mir drin, das einfach rausmusste. Und deshalb, auch da es mir mittlerweile auch wieder viel besser geht, haben sie Ihren Zweck für mich schon fast erfüllt. Alles andere ist Zugabe.’

Und diese Zugabe bestand zunächst darin, aus den vielen, vielen Songs und Song-Fetzen die wichtigsten herauszuholen, zu vollenden und dann gemeinsam mit dem Berliner Produzenten Kris Vlad (Vlad in Tears) in hörerfreundlicher Form aufzunehmen. ‘Wichtig war, nichts zu glätten. Nichts anzupassen. Sondern jedem Song genau das Gewand zu geben, das sich am besten anfühlt. Irgendwie sind dann zu den ursprünglichen Akustikgitarren-Aufnahmen immer mehr Rock- und Bandelemente reingerutscht. Und so passt das jetzt für mich.’ In der Tat, vergleicht man ‘Psychoakustik’ mit dem Vorgänger, fällt auf, dass es wesentlich rockiger und kraftvoller aus dem Boxen dröhnt. Und trotzdem: die Songs haben immer noch genug nachdenkliche Momente, ehrliche deutsche oder englische Texte die manchmal direkt, manchmal banal und manchmal hintersinnig-verspielt sind – genau wie das Leben selbst eben.

Und jetzt? Album gut, alles gut? ‘Nun ja, wenn ich es jetzt schon veröffentliche, dann kann ich ja auch gleich ein Star werden damit’ lacht Sid. ‘Oder sehen wir es mal etwas realistischer: Ich mag das Album, ich mag die Songs und natürlich habe ich auch Bock darauf, die live auf die Bühne zu bringen. So viele Menschen wie möglich damit zu erreichen. Vielleicht findet sich ja auch der eine oder andere in den Themen, in der Musik wieder – und fühlt sich danach besser. Oder zumindest verstanden.’ Das ist doch auch eine Form des Happy Ends, für die es sich zu arbeiten lohnt.