Her(t)z(M)acht (Michael Fiedler)

Michael%20Fiedler%20-%20PP%2005.jpgAuch wenn es häufig ein Klischee darstellen mag, dass ein Name zugleich auch Programm ist, trifft
es hier wahrlich zu: man merkt in jeder Liedzeile von Her(t)z(m)achts Songs, dass es darin um
Themen geht, die ihrem Verfasser mächtig am Herzen liegen. Ihr Sänger und Songschreiber
Michael Fiedler schreibt und singt klar und ergreifend, schlicht und mit Seele von Liebe und
Liebesschmerz, vom Fallen und Wiederaufstehen und davon, neuen Mut zu fassen – und dabei ganz
präsent in der Gegenwart zu leben.
Denn: „Jetzt ist Jetzt“! - Und so heißt auch das neue Album von Her(t)z(m)acht. Ein gutes Dutzend
Songs auf gut Deutsch, poetisch und zugleich mit viel Klartext, dabei ohne einen Hauch von Kitsch
oder Pathos – dafür umso gefühlsechter, lebensnäher und berührender.
Von Fiedler geschrieben, getextet, arrangiert und gesungen, komplettieren Timo Pflüger an
E-Gitarre und Bass sowie Matze Bäßler an den Drums das musikalische Gesamtbild. Und verleihen
dem Album ungeahnte stilistische Kontraste: Oft bildet die nordische Kälte von stark treibenden
High-Gain-Riffs einen Widerpart zu Balladen, die an Grönemeyer in seinen ruhigsten Momenten
erinnern. Dann bilden auf einmal funky Basslinien und staubtrockene Grooves („Das Leben könnte
schlimmer sein“) einen starken Gegensatz zu den zurückhaltenden, feinfühligen Klavierballaden.
Und ein sehr tanzbarer, so hart rockender wie hoch melodischer Song („Und mein Herz tanzt“) teilt
sich dieselbe Langrille mit Songs, die mit Synthie-Klangteppichen, treibenden Stromgitarren und so
manchem Sound-Effekt vielfach an opulente Power-Balladen aus den 80ern erinnern. Fiedlers
angenehmer Bariton erweist sich hierbei als so wandelbar und ausdrucksvoll, dass er bei all dieser
großen stilistischen Bandbreite stets den richtigen Ton trift: mal samtig, innig und beseelt in
balladesken Abschnitten – aber auch roh, rotzig und rau, wenn Text und Musik es erfordern.
Fiedlers Stimme hat sowohl Schmutz als auch Schmelz in sich – und besingt darum ebenso
überzeugend den Herzschmerz („Blinder Passagier“) wie das Liebesglück („So wie du bist“), den
Frust über penetrant gut gelaunte Mitmenschen („Das Leben könnte schlimmer sein“) wie die
Verunsicherung über die, nun ja, interessanten Zeiten, in denen wir leben („Irrenhaus“).
Doch nicht nur Liebhaber von Ballade, Rock und Rock-Ballade – am liebsten auf Deutsch –
kommen mit „Jetzt ist Jetzt“ fürstlich auf ihre Kosten: echtes Hitpotenzial findet sich hier ebenso.
„So wie du bist“ vereint enorm viel Hittaugliches auf sich – eine positive Message, Ohrwurm-
Hooklines und Gute-Laune-Melodien und treibenden Uptempo-Groove. Das so ein Song recht nahe
am Ende eines Albums steht, das starken Song an starken Song reiht und ganz ohne Füllmaterial
auskommt, spricht insgesamt für die Qualitäten von „Jetzt ist Jetzt“. Ein starkes Album fernab von
überproduziertem Pop-Rock aus Übersee, ein Album, das ehrliches musikalisches Handwerk und
authentischen Ausdruck ganz groß schreibt.