In Stuttgarts Schulstraße, gleich neben der „Nordsee“ packten Thomas Friz und Erich Schmeckenbecher, erstmals ihre Gitarren aus und präsentierten staunenden Passanten: Volkslieder. Frisch, frech – neu und anders… Wir schreiben das Jahr 1972. Zupfgeigenhansel nannten sie sich. Paradiesvögel in einer Zeit des Glamrock und Prog. Was folgte, war eine atemberaubende Karriere – mit begeisterten Auftritten, Platten, die sich weit über einer Million Mal verkauften, Dutzenden TV Auftritten, auch in Shows wie „Einer wird gewinnen“ von H.J. Kulenkampff (1983) oder „Bei Bio“ (1984). Diverse Schallplattenpreise und viele Auszeichnungen folgten. Doch nach intensiven zehn Jahren Plattenkarriere war 1986 alles vorbei.
2022, zum 50-jährigen Jubiläumsjahr, will das kleine schwäbische Label D7 diese großen Erneuerer der Volksliedszene wieder in den Fokus bringen: Außer digitalen Wiederveröffentlichungen der Original-Alben wird es auch eine „BEST OF“… 50 Jahre geben, Ehrungen und – wer weiß – vielleicht findet sich noch das ein oder andere unveröffentlichte Kleinod… Manfred Gillig-Degrave, als Herausgeber der Musikwoche profunder Kenner der Musikszene, kennt das Duo seit Anbeginn:
„Die Siebziger waren ein spannendes musikalisches Jahrzehnt. Neben Stadionrock amerikanischer Prägung verschafften sich Reggae und Punk Gehör. Britische Bands wie Fairport Convention oder Steeleye Span setzten ihre Folkwurzeln unter Strom. Und während die Sex Pistols 1977 Anarchy In UK ausriefen, fanden hierzulande gut abgehangene Volkslieder jede Menge neuer Fans. Das lag zum großen Teil an zwei Schwaben, die sich Zupfgeigenhansel nannten. Das 1972 gegründete Duo gehörte in den Siebzigern zu den Wegbereitern der neuen deutschen Folkwelle.